[Interview] Aufgehorcht! – Audio Branding: Die Marke für die Ohren

Am 14. November 2009 findet der erste Audio Branding Congress statt. Wir sprachen mit Cornelius Ringe, Kai Bronner und Rainer Hirt – den Initiatoren der Veranstaltung und Gründern der Audio Branding Academy. Lesen Sie im Interview, warum der Kongress ins Leben gerufen wurde – und was die Teilnehmer in Hamburg eigentlich genau erwartet.

Audi Branding Academy

Zuallererst: Warum ein „Audio Branding Congress“? Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Veranstaltung?

Cornelius Ringe: Alle Experten sind sich einig, dass Audio Branding kein neues Phänomen ist. Im Prinzip gab es das schon immer, nur wurde es sehr selten wirklich professionell und vor allem strukturiert betrieben. Unser vorrangiges Ziel ist es deshalb dieses spannende Thema weiter zu professionalisieren und den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit akustischen Reizen in der Markenkommunikation zu fördern. Dabei wollen wir auch die Interessen aller Audio Branding Praktiker stärken und die Netzwerkbildung beschleunigen. Zu unserem Kongress kommen diese Menschen erstmalig als der ganzen Welt zusammen und lernen sich gegenseitig kennen. Dies ist für das Entstehen einer eigenständigen Branche ungemein wichtig. Beispielsweise können unterschiedliche Auffassungen von dem was gutes Audio Branding bedeutet verglichen und diskutiert werden. Ich denke, meine Kollegen Kai Bronner und Rainer Hirt haben hierzu auch schon durch ihre letzte internationale Sammelpublikation über Audio Branding entscheidend beigetragen.

Gab es einen bestimmten Beweggrund, den Kongress zu initiieren?

Kai Bronner: Wir drei stehen schon seit langem im engen Austausch über das Thema Marke und Sounds. Cornelius Ringe fragte Rainer Hirt und mich eines Tages, ob wir mit ihm zusammen eine Audio Branding Academy gründen wollen. Die bereits angesprochenen Ziele waren hierbei auch gleichzeitig die Motivation für die Initiative. Durch das Veranstalten von Workshops und Seminaren wollen wir noch mehr Praktiker zur akustischen Markenführung befähigen. Es kann nicht angehen, dass Corporate Design alleine eine Domäne der Grafiker ist. Zudem wollen wir auch auf der Klientenseite das Bewusstsein für die multisensuellen Dimensionen von Marken schaffen.

Was erwartet die Teilnehmer bei der Veranstaltung? Welche Schwerpunkte setzt das Programm?

Cornelius Ringe: Wir setzen auf die besten Referenten, die es zu diesem Themenkomplex weltweit gibt. Da der Audio Branding Congress 2009 der Auftakt für eine ganze Reihe von Kongressen und Workshops sein soll, lautet das Motto dieser Veranstaltung „Marken verschaffen sich Gehör“. Wir haben daher den Schwerpunkt auf Praktiker und Praxisbeispiele gelegt. Unter anderem werden in einer abschließenden Podiumsdiskussion einige renommierte Branchenvertreter den Status Quo erörtern. Abgesehen davon wird es auch spannende Vorträge über Musikpsychologie, Neuromarketing und akustische Wahrnehmung geben.

Rainer Hirt: Besonders hervorzuheben sind auch die zwei Vorträge in der so genannten Blackbox – einem speziellen Seminarraum in absoluter Dunkelheit. Schließlich ist es kein Zufall, dass wir uns für die Räumlichkeiten des „Dialog im Dunkeln“ als Veranstaltungsort entschieden haben.

Was hat es damit auf sich?

Rainer Hirt: Die Referenten in der Blackbox sind beide blind und werden in ihren interaktiven Vorträgen zeigen, wie man Marken mit den Ohren „sehen“ kann. Wir hatten übrigens auch noch einen sehenden Referenten für die Blackbox vorgesehen, aber es stellte sich dann heraus, dass es für Sehende gar nicht so leicht ist, einen 45-Minuten Vortrag im Dunkeln frei zu halten.

Die Veranstaltung ist interdisziplinär ausgerichtet – für wen genau ist sie von Interesse?

Cornelius Ringe: Der Audio Branding Congress richtet sich in erster Linie an Praktiker aus den Bereichen Brand Management, Marketingkommunikation, Werbung, Sound Design und Musik. Aber natürlich auch an Wissenschaftler und allgemein Interessierte. Bisher haben wir eine recht exquisite Teilnehmerliste. Es kommen sehr viele Audio Branding Experten aus aller Welt, aber auch hochrangige Markenvertreter wie zum Beispiel die Kommunikations- und Marketingverantwortlichen der Deutschen Telekom und der Deutschen Börse sowie die Sound Designer von Nokia aus Finnland und Markenmanager von BMW.

Der Audio Branding Congress feiert ja in diesem Jahr Premiere — denken Sie jetzt schon an eine Fortführung im nächsten Jahr?

Rainer Hirt: Wir erwarten einen sehr erfolgreichen Audio Branding Congress 2009 und sind bereits an der Planung für die Fortsetzung in 2010. Hierfür existieren sehr spannende Ideen, über die wir aber erst im kommenden Jahr sprechen wollen. Wir bekommen auch sehr viel Zuspruch und Anregungen von außen, für die wir sehr dankbar sind.

Und in der Zwischenzeit?

Kai Bronner: Damit das Warten nicht zu lang wird, veranstalten wir bis zum nächsten Kongress eine Workshop-Reihe, in der die Grundlagen aber auch ausgewählte Spezialgebiete, wie zum Beispiel rechtliche Fragen oder die Wissenschaft der Synästhesie, behandelt werden.

Das Audio Branding ist eine recht junge Disziplin — sind für Sie dennoch schon Do’s and Don’ts in der akustischen Markenführung erkennbar? Wo stecken die Trends?

Kai Bronner: Nicht überall, wo es möglich ist, sollte Musik und Klang eingesetzt werden. Me-Too-Lösungen sollten auf jeden Fall vermieden werden.

Rainer Hirt: Die Welt braucht keine akustische Umweltverschmutzung! Ein gutes Audio Branding Konzept bietet immer eine Richtschnur, wie, wann und wo akustische Markenelemente eingesetzt werden. Ob sie also strategisch überlegt oder unsinnig omnipräsent verwendet werden. Wie so eine Richtschnur ausgelegt wird, hängt ganz von der Audio Branding Agentur, aber auch dem Auftraggeber selbst ab. Die Agenturen stehen aber unserer Meinung nach in der Pflicht, das Thema sensibel und sorgsam zu behandeln.

Und wann und wie findet „akustische Umweltverschmutzung“ statt?

Rainer Hirt: Diese entsteht vor allem dann, wenn Agenturen die Vielzahl an scheinbar interessanten „Touchpoints“ entdeckt haben wollen und dann gnadenlos alles beschallen, was auch zu beschallen geht — zum Beispiel durch Messestand-Soundscapes, ohne ans Personal zu denken, oder durch nervige akustische Webseiten-Begrüßungen. Was die „Trends“ anbelangt, so kann man beobachten, dass vermehrt auch Bereiche wie „Benutzerschnittstellen“ oder „Interaction Branding“ als Schnittflächen zwischen Audio Branding und Audio Interaction für die Unternehmen ein Thema werden.

Aus der Sicht der Experten: Was ist Best Practice?

Rainer Hirt: Ein gelungenes Beispiel der Nutzung akustischer Markenelemente ist das Audio Logo von Intel, worauf dessen Komponist, Walter Werzowa, in seinem Vortrag auf dem Audio Branding Congress 2009 genauer eingehen wird. Der sogenannte „Intel-Bong“ zeigt sehr schön, wie man eine akustische Marke konsequent einsetzen und weiterführen kann. Ein weiteres Beispiel hierfür sind die Brand Sounds der französischen Staatsbahn SNCF, welche übergreifend in den verschiedensten Anwendungsgebieten implementiert wurden.

Cornelius Ringe: Ich persönlich bin immer noch von der ehemaligen Bacardi Musik von Kate Yanai fasziniert. Keine andere Marke hat es seitdem wieder geschafft, ein ganzes Musikgenre zu branden. Die Musik wurde 1988 für Bacardi geschrieben und ist seitdem zusammen mit der Marke unauslöschbar in unser Gedächtnis gebrannt. Ein anderes meiner Lieblingsbeispiele für exzellentes Branding ist die James Bond Musik. Egal, welcher Künstler den Titelsong für einen neuen James Bond Streifen produziert, es ist immer sofort klar, wie der Protagonist des Films heißt.

Bei den Audiologos liegt bei mir derzeit Hornbachs „Yippiejajayippieyippieyeah“ recht weit vorne: Es bringt die Markenbotschaft auf den Punkt und transportiert alles, wofür Hornbach steht: super sympathisch, bodenständig, unkompliziert! Es ist auch erfrischend anders als all die Ding-Dong-Audiologos. Thematisch ist es der Schlachtruf aller Heimwerker, hier ist also auch noch eine ausgefeilte Bedeutungsebene mit dabei. Zudem ist es aus psychologischer Sicht sehr vorteilhaft, menschliche Stimmen für ein Audio Logo zu verwenden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde im Oktober 2009 geführt.



Ansprechpartner für Medien:
Jana Reichardt,
Unternehmenskommunikation / internes Online Marketing
Tel.: +49 (0) 341 870 984-23
Mail: Jana.Reichardt@4iMEDIA.com
Facebook: www.facebook.com/4iMEDIA

Aktuelle Nachrichten aus der Technologie-Agentur...


Loading...